Besuch der Kieler Synagogen

Am 27. Mai traf sich Luise mit Mitgliedern der Jüdischen Gemeinden in Kiel. Vormittags besuchte sie die neuen Räumlichkeiten der Synagoge in der Waitzstraße, nachmittags die orthodoxe Gemeinde auf dem Ostufer.

Luise mit Dr. Alexander Friedmann und Dr. Inna Shames des Jüdische Gemeinde Kiel e.V.

Die Gemeindevertreter*innen zeigten sich besorgt angesichts des Antisemitismus, mit dem viele Juden und Jüdinnen in Deutschland leben müssen. Selbst die Gemeindebriefe müssen in neutralen Umschlägen verschickt werden, weil viele Angst haben, von ihren Nachbar*innen als Menschen jüdischen Glaubens erkannt zu werden. Der heutige Antisemitismus ist nämlich nicht importiert, wie viele (rechts-)konservative Politiker*innen uns glauben machen wollen, sondern er war nie weg.

Julia Löffler, Dr. Inna Shames, Luise, Julia Kharytonova und Dr. Alexander Friedmann

Die Ressentiments stammen von Rechtsextremen, aber auch von vielen Linken und haben sich in der Mitte der Gesellschaft breit gemacht. Natürlich gibt es zusätzlich den muslimischen Antisemitismus, da Israel in vielen arabischen Staaten als Erbfeind angesehen wird. Es ist unsere Aufgabe deutlich zu machen, dass in unserer Gesellschaft kein Platz ist für (israelbezogenen) Antisemitismus ist.

Wichtig ist hier, dass es nicht die Aufgabe der Juden und Jüdinnen sein darf die Bildungsarbeit zu übernehmen, für die der Staat verantwortlich ist. Den Worten „Nie wieder“ müssen auch glaubwürdige Taten folgen, um ihnen gerecht zu werden. Es darf nicht sein, dass Menschen mit Kippa auf der Straße beschimpft werden, ohne dass dies ernsthafte Konsequenzen hat. Auch hierfür muss die Polizei noch stärker sensibilisiert werden.

Luise mit Viktoria Ladyshenski der Jüdische Gemeinschaft Schleswig-Holstein K.d.ö.R.

Zugleich hat der intensive Austausch auch gezeigt, dass jüdisches Leben in Deutschland viel mehr ist, als ausschließlich das Gedenken an die Shoa. Die jüdische Gemeinde in Kiel ist Teil unserer Zivilgesellschaft, die sich darauf freut in einen breiten Austausch mit allen Mitbürger*innen zu treten. Es ist an uns, dass sie dies ohne Angst vor Hass und Übergriffen tun können.