Deutschland und die Türkei – Diskussion mit Cem Özdemir und Deniz Yücel

imageIn Puncto Türkei gibt es keine einfachen Antworten. So könnte die knappe Botschaft des Abends mit Cem Özdemir, dem türkischen Journalisten Deniz Yücel und Luise lauten. FAst 200 Kielerinnen und Kieler waren auf Einladung der Grünen in die Alte Mu gekommen, um vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse über die Situation der Gesellschaft in der Türkei und das deutsch-türkische Verhältnis zu sprechen.

 

imageCem Özdemir, der Bundesvorsitzende der Grünen, sieht große Versäumnisse bei den verschiedenen Regierungen unter Angela Merkel. „Viel zu lange war Merkels Türkeipolitik von Desinteresse und Unkenntnis geprägt. Hätte Sie sich von Anfang ernsthaft für die Türkei interessiert, dann hätte sie auch viel früher und vor allem angemessen auf die negativen Entwicklungen in der Türkei reagieren können“, sagte Özdemir. Das Ausbremsen der Verhandlungen über einen Beitritt zur Europäischen Union seinerzeit sei ein fatales Signal gewesen. Die Verhandlungen ausgerechnet in der jetzigen Situation wieder aufnehmen zu wollen, sei nicht minder problematisch. Stattdessen sollten die Verhandlungen nun auf Eis gelegt werden.

 

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Der eigens für die Veranstaltung aus Istanbul angereiste Deniz Yücel skizzierte ein mögliches Szenario für die Hintergründe und den Ablauf des Putschversuchs vom Juli und machte deutlich, dass es trotz aller Probleme noch immer demokratische Kräfte und eine starke Zivilgesellschaft in der Türkei gibt, die man nicht vergessen darf.

 

 
imageBeide Diskutanten zeichneten ein recht düsteres Bild auf Luises Frage nach der nahen Zukunft der Türkei. Erdogan betreibe derzeit eine Politik der verbrannten Erde. Er könne er gar nicht anders, als so vehement weiter zu machen. Nur so könne er verhindern, von möglichen Nachfolgern zur Rechenschaft gezogen zu werden.