Luise besucht Unternehmen – Auf die faire Tour!

Ob Fleisch, Kaffee oder Kleidung – unser heutiger Konsum hat direkten Einfluss auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen in den jeweiligen Herstellungsländern. Doch was hier recht und billig ist, kann Menschen auf der ganzen Welt die heimische Lebensgrundlage entziehen. Dass Handel und Produktion nachhaltig, ökologisch und fair sein können, beweisen einige Unternehmen in Schleswig-Holstein. Ich habe sie besucht.

 

ETHLETIC

Vor Jahren habe ich sie auf einem Flohmarkt gefunden, schon ein bisschen abgetreten, irre bequem und quietschgrün. Die Rede ist von meinen Chucks. Wie sie hergestellt worden sind? 2011 machte Converse Schlagzeilen, als Berichte über Misshandlungen der unterbezahlten Näherinnen in einer Fabrik ans Licht kamen. Schlechte Bezahlung, krankmachende Arbeitsbedingungen, Ressourcenausbeutung – und das bei einem so simplen Turnschuh aus Baumwolle, Kautschuk und Kleber. Kann ja eigentlich nicht sein… Das dachte sich zumindest Marc Stoltenberg aus Lübeck, der Gründer von Ethletics. Seit einigen Jahren lässt er den Schuh-Klassiker unter fairen Bedingungen für die Bauern aber auch die Fabrikarbeiter*innen aus Biobaumwolle herstellen, und setzt auch bei Kautschuk und Kleber auf ressourcenschonende Produktion. Herausgekommen ist ein Fairtrade zertifizierter Schuh, der sich auch vegan nennen darf. Im Gespräch mit Marc Stoltenberg merke ich, was ihn antreibt: mit guten Menschen gute Geschäfte machen. Nicht mit dem Ziel, reich zu werden, sondern, dass es zum Leben reicht – für alle.img_0890

www.ethletic.com

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LOPPOKAFFEEEXPRESS

Ein vertrauter Geruch steigt mir beim Betreten des unscheinbaren Flachdachgebäudes im Kieler Grasweg in die Nase – Kaffee! In dem großen Raum stapeln sich auf Paletten säckeweise Bohnen, rechts im Raum leuchtet ein riesiger gelber Kaffeeröster. Ich bin bei Loppokaffeeexpress. Die Wochenmarktgänger unter uns kennen Axel Datschun und Kira Schubert und ihr zur mobilen Kaffeebar umgebauten Lastenrad. – lecker und CO2 neutral. Ökologisch und Fair – die beiden meinen es Ernst: Transport mit dem Rad, Energie aus Ökostrom und fast alle Verpackungsmaterialien kompostierbar. Kira und Axel beziehen ihren Kaffee über den sogenannten direkten Handel, der einer strengeren Selbstverpflichtung folgt als Fairtrade. Die Kaffeebohnen werden direkt von Kaffeekooperativen und Kaffeebauern bezogen. Dadurch fallen Zwischenhändler weg. Direct Trade ist Handel auf Augenhöhe. Da sowohl Bauern als auch Röster vom Kaffeeanbau profitieren wollen, verpflichten sich Käufer bereits im Vorfeld zur Abnahme bestimmter Mengen um den Kooperativen vor Ort Planungssicherheit zu gewährleisten. Fällt eine Ernte aus, trifft es nicht nur die Bauern, sondern auch die Käufer. Die beiden Kieler Kaffeeexperten tragen dieses Risiko mit, denn nur das bedeutet für sie tatsächlich „fair“.

www.loppokaffeeexpress.de/

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MyBoo

Fahrradfahren ist neben dem zu Fuß gehen die ökologischste Art der Fortbewegung. Doch auch bei der Produktion von Fahrrädern werden Ressourcen und Energie verbraucht, Schadstoffe werden freigesetzt und die Montage erfolgt meist in Niedriglohnländern. Von Kiel aus wollten Maximilian Schay, Jonas Stolzke und Felix Habke dem eine Alternative entgegen setzen: ein Fahrrad aus dem schnellnachwachsenden Rohstoff Bambus. Neben dem nachhaltigen Material erfolgt die Herstellung der Fahrräder unter fairen Arbeitsbedingungen. Der Fahrradrahmen wird in Ghana in Zusammenarbeit mit einer dort ansässigen Bambuswerkstatt gebaut. Durch Zusammenarbeit mit myBoo konnten 15 Ghanaer ausgebildet werden und haben nun einen fair bezahlten und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Über den Verkauf der Fahrräder wird außerdem ein Stipendien-Fond betrieben, der es Kindern aus der Region ermöglicht, zur Schule zu gehen. Den Dreien geht es dabei nicht um bloße Geldmacherei – Wirtschaften soll immer auch einer sozialen Sache dienen. Eine Probefahrt habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Fazit: Das Fahrrad fährt tadellos und ist ein echter Hingucker – klar, es hat seinen Preis, aber von dem Kauf dieses Fahrrads profitiert eine ganze Dorfgemeinschaft, von jung bis alt, ohne dabei ihre heimische Natur zu zerstören.

www.my-boo.de/

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Biohof Muhs

Nicht nur günstig, sondern auch billig soll es sein, des Deutschen liebstes Nahrungsmittel: Fleisch. Laut Fleischatlas des BUND und der Böll-Stiftung wurde in den vergangenen 15 Jahren bis zu 50 Prozent mehr Fleisch produziert. Ich besuche also einen unabhängigen Biobauernhof mit Landwirtschaft, Tierhaltung, Schlachterei und Bauernhofkindergarten in der Probstei. Der Biohof Muhs von Rainer und Anne-Marie Muhs ist seit drei Generationen im Familienbesitz. Angefangen hat alles mit der Mettwurst, mit der geheimen Familienrezeptur. Die Großeltern, die zunächst Fleisch kauften und in der Küchenstube eine Mettwurst kreierten, die sie auf dem Markt verkauften. Erst später übernahmen sie einen Bauernhof, der nach und nach vergrößert wurde und der seit 1992 Bio zertifiziert ist. Ich frage Reiner Muhs, ob es denn genug Abnehmer für seine Ware gäbe. Die gibt es, die Nachfrage ist größer als das Angebot. Die Nachfrage decken möchte er aber nicht. Das wäre in dem geschlossenen Kreislauf von lokaler Futtermittelproduktion über Tierzucht bis hin zur Schlachtung auch gar nicht möglich, nicht auf diesem hohen ökologischen Standard. Ein weiterer Kreis schließt sich bei meinem Besuch auf dem Hof. Die Familie ermöglicht es regelmäßig Flüchtlingen, die Arbeit und das Leben auf einem Bauernhof kennenzulernen.

www.biohof-muhs.de/

 

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Mein Fazit

Auf meiner fairen Tour habe ich ganz unterschiedliche Konzepte und Menschen kennengelernt. Gemeinsam eint sie eine Idee: Ein verantwortungsvoller Umgang mit Mensch und Umwelt, der nicht auf maximalen Profit aus ist. Es sind kleine Unternehmen, deren Ideen zukunftsweisend sind. Verbraucher haben eine große Macht, Herstellungsprozesse zu steuern und in Schleswig-Holstein gibt es einige gute Alternativen.

 

 

 

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